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am 15. Februar

Keine Umwidmung aus Gefälligkeit!

- In Perchtoldsdorf treten gehäuft seltsame Umwidmungsversuche auf. Jüngstes Beispiel neben der Wasserversorgung in der Beatrixgasse...

Willkürliche Umwidmung in der Beatrixgasse

Unfassbar - ein Bauwerber bedroht die Perchtoldsdorfer Wasserversorgung und versucht damit die Gemeinde unter Druck zu setzen! Mehr Infos findest du …

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Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Ein Bauwerber reicht einen Plan für ein Bauprojekt ein und es stellt sich heraus, dass dieses Vorhaben die halbe Wasserversorgung von Perchtoldsdorf gefährden würde. Daraufhin wäre zu erwarten gewesen, dass das Projekt abgelehnt und der Bauwerber aufgefordert wird, ein Projekt einzureichen, dass auf die Gegebenheiten Rücksicht nimmt.

Nicht so in Perchtoldsdorf. Damit der Bauwerber sein ursprünglich geplantes Volumen umsetzen kann, wird eine Bebauungsplanänderung angestrebt. Ja, Hilfsbereitschaft schön und gut, aber soll man wirklich diese Ignoranz um nicht zu sagen Unverfrorenheit noch belohnen? Schließlich muss bekannt gewesen sein, dass die Gemeinde auf dem Nachbargrundstück eine Wasserversorgungsanlage betreibt - man sieht sogar die Brunnenköpfe mit freiem Auge - und für jeden Planer, der etwas auf sich hält, wäre es selbstverständlich gewesen, die zugehörigen Wasserrechtsbescheide einzusehen, um die Gegebenheiten in der Planung berücksichtigen zu können. Diese Unterlassung grenzt eigentlich an Fahrlässigkeit oder noch schlimmer, man wollte die Gemeinde bewusst unter Druck setzen, um das kalkulierte Bauvolumen doch noch irgendwie herstellen zu können.

Der hydrogeologischen und geologischen Stellungnahme der Geologie Weixelberger GmbH ist zu entnehmen, dass gemäß "vorliegender Unterlagen" (Wasserechtsbescheid?) der oberste, nicht genutzte Grundwasserhorizont bei etwa 2m liegt. "Bei diesem ist davon auszugehen, dass er aufgrund der oberflächennahen Lage anthropogenen Einflüssen ausgesetzt und somit mehr oder weniger verunreinigt ist. Der Horizontalfilterbrunnen (der Wasserversorgungsanlage) entnimmt das Wasser gänzlich aus dem 2. Grundwasserhorizont. Dessen Tiefe kann mit etwa 6,1 bis 12,1m angegeben werden.

Der 1. und 2. Horizont sind durch eine wasserundurchlässige bzw. sperrende natürliche Bodenschicht voneinander getrennt. Somit erfolgt keine Durchmischung der Wässer beider Horizonte."

In dieser Stellungnahme wird schließlich festgehalten, dass diese sperrende Bodenschicht keinesfalls durchbrochen werden darf um eine Durchmischung zu vermeiden. Das ursprünglich eingereichte Projekt sah eine Setzung von Bohrpfahlwänden bis in eine Tiefe von 7 bis 8 Metern vor...

Somit war das geplante Kellergeschoß mit Tiefgarage nicht umsetzbar, was eigentlich von vorne herein klar gewesen sein muss. Auch das benachbarte Kulturzentrum hat wohl auch aus genau diesem Grund keinen Keller. Und dann wird es aber besonders ärgerlich. Man fügt sich nicht in die Vorgaben, die für alle gleich gelten, sondern versucht durch eine Umwidmung von Bauklasse 2 auf Bauklasse 3 und einer Änderung der Verbauungsdichte von 60% auf 80% das "verlorene" Volumen wieder wett zu machen. 

Abgesehen davon, dass derartige Änderungen auf Einzelgrundstücken ohnehin nach Gefälligkeit riechen und ohne Grundlagenforschung nicht zulässig sind, wie kommen wir Perchtoldsdorferinnen und Perchtoldsdorfer eigentlich dazu, dass in die Parklandschaft beim Zellpark ein derartiger "Stockzahn" hineingestellt wird, nur weil ein Bauwerber probieren will, "wos einegeht"?

Der Entwurf zu der geplanten Änderung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplans liegt noch bis 15. März 2018 am Gemeindeamt zur Einsichtnahme auf und es können Stellungnahmen eingereicht werden. Es geht um den Änderungspunkt 15, aber die anderen Punkte sind auch nicht ganz ohne. Die Entwurfsauflage ist auch von der Homepage der Marktgemeinde​ her einsehbar, die man dort euphemistisch beschwichtigend mit "kleineren Änderungen" umschreibt.

Nachtrag vom 26.2.2018


​Bei unserem Ortsgruppen-Treffen haben wir die Situation noch einmal besprochen und spontan beschlossen eine kleine Kundgebung vor Ort abzuhalten, worüber auch hier und hier​ berichtet​ wird.

Mittlerweile hat sich lt. Auskunft von Baureferenten Jan Cernelic auch herausgestellt, dass bei den zugehörigen Wasserrechtsbescheiden offenbar - wie sonst in ähnlichen Fällen üblich - keine Schutzzone definiert​ wurde. Da gehen bei uns gleich die Alarmglocken an. In Perchtoldsdorf gibt es ja auch noch weitere Wassserversorgungseinrichtungen. Ist die Gemeinde dort auch erpressbar?

Spontankundgebung am 24.2.2018 mit (vlnr): Elisabeth Apl-Werner, Martha Günzl, Andrea Kucera, Petra Deli-Kolros, Sonja Reiselhuber-Schmölzer, Andreas Koller-Garber, Christian Apl. Foto: Peter Kolros.

Zwischenstand am 22. März 2018

Der Punkt bezgl. Umwidmungen auf gegenständlichem Grundstück wurde aus dem Antrag genommen und bei der Gemeinderatssitzung am 21. März 2018 nicht behandelt. Es sollen nochmals die Bau- bzw. Wasserrechtler in Bezirk und Land damit befassen werden. Wir behalten das natürlich weiter im Auge!