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am 16. November 2014

Man hat die Entwicklung völlig unterschätzt

Christian Apl - Das Perchtoldsdorfer Straßennetz hat sich im Wesentlichen in den 1970er und 80er Jahren so etabliert, wie es sich heute präsentiert. Schon damals glaubte man fest daran, dass man schon einen Plafond erreicht habe und dass kaum wesentlich mehr Autos dazu kommen würden. Man hat die Entwicklung aber völlig unterschätzt.

Insbesondere hat man nicht erkannt, welche Rolle der Autobahnzubringer spielen würde, sonst hätte man damals schon eine leistungsfähige Verbindung zwischen eben diesem und der Wienergasse bzw. Donauwörther Straße B13 vorsehen müssen. Das wurde jedoch versäumt, und das Verkehrsaufkommen muss jetzt durch diverse Gemeindestraßen abgewickelt werden – mit den entsprechenden negativen Auswirkungen.

Betroffen davon sind, angefangen von der Ketzergasse, die Rembrandtgasse, Gauguschgasse, Schweglergasse, Strenningergasse, Regenhartgasse, die Ambros Rieder-Gasse und natürlich die Mühlgasse. In Hinblick auf Waldmühle Rodaun aber immer stärker auch die Sonnbergstraße, Walzengasse und Wiener Gasse. Von der Ketzergasse her kommt zudem noch ein immer stärker werdender Umgehungsverkehr über den Soßenhügel, die Siegel-Gasse und dann weiter in die Gauguschgasse.

BELASTUNG WIRD IMMER UNERTRÄGLICHER

Für die Anrainenden wird die tagtägliche Autoflut immer mehr zu einer nicht mehr hinnehmbaren Belastung. Etliche ließen sich auch zu Zeiten dort nieder, als viele Gassen noch unbefestigte Feldwege waren, praktisch ohne nennenswertes Verkehrsaufkommen. Jetzt ist der Unmut nachvollziehbar groß und die Forderungen an die Verkehrspolitik werden immer dringlicher, „endlich etwas gegen den Verkehr zu unternehmen“.

Die Gemeinde unternimmt auch laufend, allerdings sind die Handlungsspielräume denkbar eng. Da vor allem der Verkehrslärm als Belastung erlebt wird, ständiger Lärm auch gesundheitsgefährdend ist, sind Maßnahmen erforderlich, die Geschwindigkeit aus dem System nehmen können, auch um so den Verkehrsfluss zu verstetigen. Die Lärmbelastung wird ja gerade beim Beschleunigen als besonders unangenehm empfunden.

Reine Geschwindigkeitsbeschränkungen sind da nur bedingt wirksam, langfristig werden die Straßen so zu gestalten sein, dass eine verträgliche und für die Verstetigung des Verkehrsflusses effektive Geschwindigkeit direkt aus dem Straßenbild „abgelesen“ werden kann.

DER PLAFOND IST NOCH LÄNGST NICHT ERREICHT

Und wir dürfen uns auch nicht wie unsere Vorgänger dem Glauben hingeben, dass der Plafond jetzt doch endlich erreicht ist. Wenn man die Bevölkerungsprognose der Statistik Austria ernst nimmt, stehen uns bis 2050 noch 30 % Wachstum ins Haus – das heißt natürlich auch mindestens 30 % mehr Verkehr. Deswegen muss nicht nur Geschwindigkeit aus dem System genommen werden, sondern es müssen massiv Alternativen entwickelt werden, die es vielen Menschen ermöglichen, ihren Mobilitätsbedarf nicht zu 100% mit dem eigenen Pkw decken zu müssen. 

Förderung des familienfreundlichen Geh- und Radverkehrs gehört hier ebenso dazu, wie die entscheidende Attraktivierung des öffentlichen Verkehrs. Aber hier gibt es glücklicherweise schon Ansätze, die einen wirklich spürbaren Beitrag leisten können, vgl. http://tramondemand.at.

Jeder Weg, der nicht mit dem Auto bewältigt werden muss, reduziert die Verkehrsbelastung und macht das Leben für die Anrainenden ein Stückchen erträglicher. Und wenn schon fahren, dann bitte möglichst menschenfreundlich und auch die eigenen Nerven schonend.

Genießen Sie die Fahrt durch die Gartenlandschaften so, als ob es Ihr eigener Garten wäre! :)