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am 5. August

Perch­tolds­dorf hat ein "Klima-Manifest" beschlossen

Christian Apl - Um klima-relevante Entscheidungen schneller / besser / effizienter durchzusetzen, hat der Gemeinderat auf Antrag von Christian Apl und BM Martin Schuster das "Klima-Manifest" zur Abstimmung vorgelegt. Es wurde in der Juni-Sitzung einstimmig angenommen.

Hier der Antragstext im Wortlaut:
Präambel:
Städte und Gemeinden erfüllen eine wichtige Vorbildfunktion, wenn sie den Energieverbrauch öffentlicher Gebäude reduzieren, die eigenen Beschäftigten zu klimafreundlichem Verhalten motivieren, selbst Ökostrom ernten/beziehen oder kommunale Wälder nachhaltig bewirtschaften. Die Einflussmöglichkeiten sind auf dieser Ebene am größten, weil das eigene Handeln im Mittelpunkt steht. 
Die Marktgemeinde Perchtoldsdorf ist im Jahr 1994 dem Klimabündnis beigetreten. 2010-2014 hat die Marktgemeinde als Klima- und Energie-Modellregion eine besondere, bundesweite Vorbildfunktion eingenommen. Das kommunale Umweltreferat hat daher wesentliche Schwerpunkte in den Bereichen Energie, erneuerbare Energieformen und Energiesparmaßnahmen gesetzt. Hierzu zählen das Beispiel Energiekonzept, das umgesetzte Biomasse-Ortswärmenetz, kommunale und bürgerbeteiligte Photovoltaik-Anlagen, die Umrüstung der öffentlichen Beleuchtung auf LED, die Implementierung des Europäischen Energiemanagement-Systems EMAS und breite Aktivitäten in der Bewusstseinsarbeit, die Erwachsene wie auch Kinder an den Perchtoldsdorfer Schulen adressiert.
Zentrales Ziel der Marktgemeinde Perchtoldsdorf ist es, in ihrem Wirkungsbereich eine markante Kohlendioxid-Reduktion herbeizuführen.

Sachverhalt:
Bei der Erreichung des globalen Ziels der Kohlendioxid-Reduktion gilt es, alle Potenziale auszuschöpfen. Auch wenn Perchtoldsdorf dazu nur einen kleinen Beitrag leistet, sind auch wir zum Handeln aufgerufen. Wenn nicht rechtzeitig eine Trendwende bei den Treibhausgasemissionen eingeleitet wird, sind hunderte Millionen Menschen in Gefahr und ein Klima-Notstand eingetreten. Nicht nur in fernen Gegenden, sondern auch in Zentraleuropa und Niederösterreich. Es ist klar, was zu tun ist: Wir müssen uns so organisieren, dass unsere Zivilisation treibhausgas-neutral funktioniert. 
Es dürfen schlussendlich nur so viel Treibhausgase in die Atmosphäre entlassen werden, wie gleichzeitig wieder absorbiert und gebunden werden können. Die Technologien dazu sind vorhanden, die Umstellung wird schließlich nur einen Bruchteil der zu erwartenden Kosten eines Klimawandels verursachen. 
Bei allen künftig von den Gemeinde-Gremien zu treffenden Beschlüssen ist deshalb ihre Relevanz und ggf. die Auswirkungen auf die Atmosphäre anzuführen.
Es sollen alle betroffene Bereiche durchleuchtet und sachdienliche Maßnahmen erarbeitet werden. Das betrifft insbesondere das Bauwesen (Raumwärme, Strom, Fassaden- und Dachbegrünung, Dämmung), die Energieversorgung (Ausbau PV-Anlagen, saisonale Solarwärmespeicher), die Mobilität (Energieaufwand, Bodenversiegelung) und den Erhalt des Baumbestands. 

BM Martin Schuster und gf GR Christian Apl stellen folgenden Antrag:
Der Gemeinderat beschließt

  • Künftig wird bei allen Beschlüssen des Gemeinderats deren Klima-Relevanz berücksichtigt und ausdrücklich angeführt.
  • Maßnahmen mit positiver Auswirkung auf die Treibhausgasbilanz werden prioritär behandelt.
  • Bei den in Ausarbeitung befindlichen neuen Bebauungsvorschriften finden die klimarelevanten Aspekte besondere Berücksichtigung (Energiehaushalt, Bodenversiegelung, Fassaden- und Dachflächengestaltung, Anbindung an den Öffentlichen Verkehr etc.).
  • Ebenso beim in Ausarbeitung befindlichen Gesamtmobilitäts-Konzept (Maßnahmen zur Förderung des nicht-motorisierten Individualverkehrs und des Öffentlichen Verkehrs).
  • Die Bemühungen um das Energiekonzept werden intensiv weiter geführt. Bis 2021 sollen alle Bereiche der Gemeinde EMAS-validiert sein.
  • Im öffentlichen Raum werden Baumfällungen nur in begründeten (Schadens)-Fällen durchgeführt. Diese Vorgehensweise soll durch Bewusstseinsbildung, Anreizsysteme und durch vermehrte Ausweisung von Freiflächen und Naturdenkmälern auch auf private Flächen ausgedehnt werden.
  • Die seit 2017 laufende Bepflanzungsoffensive soll fortgeführt und intensiviert werden, insbesondere sollen Baum-Patenschaften der Perchtoldsdorfer Haushalte forciert werden.